Die Modernisierung der Türkommunikation stellt viele Bestandsgebäude vor technische und bauliche Herausforderungen. Bewohner wünschen sich mehr Sicherheit, bessere Orientierung und barrierearme Bedienbarkeit – gleichzeitig sollen Installationen im laufenden Wohnbetrieb möglichst schnell und ohne Eingriffe in die Gebäudestruktur erfolgen. Die Zweidrahttechnologie bietet hier einen praxistauglichen Weg, um klassische Klingelanlagen in kurzer Zeit zu modernen Video- und Zutrittslösungen weiterzuentwickeln (Bild 1).

Bild 1: Außenstationen wie die »Ultra«-Serie können häufig an bestehenden Einbauorten montiert werden, ohne die Gebäudestruktur zu verändern

Der Eingangsbereich ist für Bewohner älterer Wohnanlagen oft ein neuralgischer Punkt. Klassische Klingelanlagen bieten nur akustische Rückmeldung und lassen kaum erkennen, wer vor der Tür steht. In der Praxis führt das nicht selten zu Unsicherheit – etwa, wenn Lieferdienste kommen, Pflegepersonal erwartet wird oder fremde Personen klingeln. Für Menschen mit eingeschränkter Seh- oder Hörfähigkeit wird der Alltag an der Haustür zusätzlich erschwert.

Moderne Türkommunikationssysteme reagieren auf diese veränderten Bedürfnisse und kombinieren hochauflösendes Video, klare Anzeigen, optische Signale sowie mobile Unterstützung über Apps. Dadurch entsteht eine barriereärmere Nutzung, die Bewohnern mehr Sicherheit und Selbstbestimmung ermöglicht, ohne dass komplizierte Bedienvorgänge erforderlich sind.

Hersteller wie beispielsweise Comelit setzen dabei auf Bedienoberflächen, die intuitiv verständlich sind, auf kontrastreiche Displays und akustische wie visuelle Rückmeldungen. Solche Elemente helfen insbesondere dort, wo unterschiedliche Nutzergruppen mit unterschiedlichen Bedürfnissen eine Anlage bedienen. In Mehrfamilienhäusern, Seniorenresidenzen oder barrierefreien Wohneinheiten sind diese Elemente oft entscheidend für eine sichere Nutzung. In vielen Bestandsobjekten lässt sich darüber hinaus eine Wifi-fähige Innenstation wie »Logos Wifi« einsetzen, die sich über die bestehende Zweiaderleitung anbinden lässt und zusätzlich eine mobile Rufweiterleitung per App ermöglicht (Bild 2). Normativ unterstützt die DIN 18040 solche Anforderungen und definiert unter anderem Hinweise zur Erreichbarkeit der Bedienelemente, zur Benutzerführung und zu Signalen, die auch bei Einschränkungen wahrgenommen werden können.

Herausforderungen im Bestand: Leitungsschächte und Denkmalschutz

Bild 2: Moderne Innenstationen erleichtern die barrierearme Nutzung durch klare Anzeigen, akustische Signale und intuitive Bedienoberflächen

Wenn Gebäudeeigentümer oder Wohnungsverwaltungen alte Klingelanlagen modernisieren möchten, prallen Anspruch und Realität häufig aufeinander. Die Leitungswege der Bestandsanlage sind schwer zugänglich oder verlaufen in Schächten, die seit Jahrzehnten nicht geöffnet wurden.

In denkmalgeschützten Fassaden ist eine Neuverkabelung kaum möglich, und in bewohntem Zustand sind Eingriffe mit Lärm, Schmutz oder Ausfallzeiten nur sehr begrenzt zumutbar. Viele Installationsbetriebe kennen diese Situationen: Die technische Lösung ist klar, aber die baulichen Rahmenbedingungen verhindern den Einsatz klassischer Videotechnik mit strukturierter Verkabelung.

Hinzu kommen typische Fehlerquellen im Bestand – etwa unklare oder unvollständige Leitungsdokumentationen, nachträgliche Umbauten oder inhomogene Strangverteilungen. Auch die Frage, ob ältere Leitungen ausreichend stabile Signale transportieren können, spielt eine Rolle. Wenn Installateure hier auf IP-Systeme mit Cat-Verkabelung setzen müssten, wäre der Aufwand enorm und oft unwirtschaftlich.

Zweidrahttechnologie: ein Lösungsweg für schnelle Modernisierungen

Die Zweidrahttechnologie schließt genau diese Lücke. Systeme wie das »Comelit Simplebus 2«-Konzept nutzen die vorhandenen Leitungen und übertragen darüber Strom, Ton, Bild und Steuerdaten gleichzeitig. Dadurch lässt sich eine klassische Audio-Klingelanlage mit vergleichsweise wenig Aufwand in ein vollwertiges Video-Kommunikationssystem verwandeln. Die Gebäudestruktur bleibt dabei vollständig erhalten.

Der größte Vorteil: Installateure müssen keine neuen Kabel legen und keine Wände öffnen. Denn die Technik wird dort eingebracht, wo die alte Anlage bereits sitzt. Diese Vorgehensweise minimiert Baustellenzeiten und verhindert Beeinträchtigungen für Bewohner. Vor allem im laufenden Betrieb – also bei vermieteten Objekten – ist das ein wichtiger Faktor für die Akzeptanz.

Einige Hersteller legen zusätzlich Wert darauf, dass Innen- und Außenstationen vorkonfiguriert und klar strukturiert aufgebaut sind. Nach dem Austausch erkennt das System automatisch die angeschlossenen Komponenten, was die Inbetriebnahme deutlich beschleunigt. Installateure können so auch große Objekte effizient modernisieren.

Praxisfall: 120 Wohneinheiten an einem Arbeitstag

Ein Beispiel zeigt, wie effizient diese Technik eingesetzt werden kann. Bei der Modernisierung einer größeren Wohnanlage konnten rund 120 Wohneinheiten innerhalb eines einzigen Arbeitstags von nur einem Monteur umgerüstet werden. Möglich wurde dies durch die Weiterverwendung der vorhandenen Zweiaderleitungen und durch die geringe Eingriffstiefe der Installation. Vorkonfigurierte Innenstationen wurden direkt an bestehende Anschlussstellen gesetzt, Außenstationen konnten modellgleich auf vorhandene Aussparungen montiert werden, und die Inbetriebnahme erfolgte ohne komplexe Netzwerkkonfiguration.

Solche Beispiele sind in der Praxis keine Ausnahme mehr, sondern zunehmend Standard. Für Installateure ergibt sich ein klarer Wettbewerbsvorteil: Sie können Projekte schneller umsetzen, Ausfallzeiten minimieren und komplexe Mehrparteienobjekte auch personell effizient abwickeln. Für Betreiber hingegen entstehen kalkulierbare Kosten und eine deutliche Wertsteigerung des Gebäudes.

Zutrittsmanagement integriert: Sicherheit für Bewohner und Betreiber

Neben der reinen Türkommunikation spielt auch das Thema Zutrittsmanagement eine wachsende Rolle. Außenstationen – etwa die modulare »Ultra«-Serie von Comelit – können mit RFID-Lesern, PIN-Tastaturen oder Bluetooth-Modulen ausgestattet werden. Dadurch lassen sich elektronische Zugangskonzepte in Wohnanlagen einführen, die den Aufwand für Schlüsselverwaltung deutlich reduzieren.

Betreiber können verlorene Schlüssel digital sperren oder unterschiedliche Berechtigungsstufen für Dienstleister, Pflegepersonal oder Hausmeister einrichten. Die Kombination aus Video-Identifikation und digitalem Zutritt bietet damit ein geschlossenes Sicherheitskonzept, das sowohl Bewohner als auch Verwaltung entlastet.

Normen und Fehlervermeidung: worauf Installateure achten sollten

Bei der Modernisierung von Türkommunikation im Bestand müssen neben baulichen Rahmenbedingungen auch normative Vorgaben berücksichtigt werden. DIN 18015, DIN 18040 und die VDE-Normen liefern technische Anforderungen an Leitungsführung, Sicherheit und barrierefreie Bedienbarkeit.

Für Installateure ist besonders wichtig, frühzeitig zu prüfen, ob die vorhandenen Leitungen elektrisch stabil und störungsfrei sind. Typische Fehler entstehen häufig durch alte Klemmstellen oder durch Anschlussdosen, die im Laufe der Zeit mehrfach verändert wurden. Auch der Einbauort der Kamera spielt eine Rolle: Reflexionen, fehlende Beleuchtung oder ungünstige Blickwinkel können die Bildqualität beeinträchtigen.

Zweidrahtsysteme reagieren auf viele dieser Herausforderungen tolerant, dennoch sollten Installateure die typischen Stolpersteine kennen. Dazu gehören Übergangsstellen mit ungeeigneten Klemmen, parallelgeführte Leitungen mit hochfrequenten Störquellen oder unzureichend beschriftete Bestandskabel. Eine sorgfältige Vorabprüfung spart später Zeit und verhindert Reklamationen.

Ausblick: zukunftssichere Systeme ohne strukturelle Eingriffe

Die Modernisierung der Türkommunikation im Bestand bringt neue Anforderungen mit sich, schafft aber gleichzeitig erhebliche Potenziale. Zweidrahtsysteme ermöglichen es, Altanlagen ohne großen Aufwand auf den Stand moderner Sicherheits- und Bedienkonzepte zu heben.

Ergänzt durch WLAN-fähige Innenstationen, mobile Bedienung und modulare Zutrittskontrolle entsteht ein System, das auch zukünftige Anforderungen erfüllt, ohne dass die Gebäudestruktur angepasst werden muss. Damit bieten sie eine praxisnahe Antwort auf die wachsenden Bedürfnisse in Wohnanlagen – von Sicherheit und Barrierefreiheit bis zu Effizienz und Nachhaltigkeit.

Autor

René Radermacher, Vertriebsleiter Deutschland, Comelit Group S.p.A. Deutschland

 

Quelle und Bildquelle: www.elektro.net