Bild 1: Keine Rückmeldung nach Betätigen des Notrufknopfes – für eine Person im beengten, fensterlosen Aufzug bei einem Notfall eine äußerst unangenehme Situation; Quelle: Telegärtner

Was passiert, wenn der Notruf plötzlich nicht mehr funktioniert oder das Intelligente Haus seine Bewohner aussperrt, weil die App und der Cloud-Dienst im Hintergrund gestört ist? Wie fragil und störanfällig unsere digitale Welt geworden ist, veranschaulichte der Ausfall des weltweit größten Cloud-Anbieters, Amazon Web Services. Die Folgen waren gigantisch und reichten von Netflix bis zur Türsprechstelle. Verhindern lässt sich das mit europäischen Lösungen.

Auch für die Elektrobranche war die weltweite Störung ein Weckruf. Denn auch unsere Kommunikations- und Sicherheitstechnik hängt mittlerweile immer häufiger von globalen Cloud-Anbietern ab. Solche Ausfälle, auf die weder Installateure noch Kunden Einfluss haben und die im schlimmsten Fall eine Gefahr für Leib und Leben darstellen, sind dabei nur die Spitze des Eisbergs (Bild 1).

Neben technischen Problemen wächst die Sorge vor politischer Einflussnahme – beispielsweise durch die US-Regierung, die unsere Abhängigkeit von amerikanischen Unternehmen als Druckmittel nutzt.

Unser digitaler Alltag wird von immer weniger Unternehmen bestimmt, was in eine stetig wachsende Abhängigkeit und letztlich zum Kontrollverlust führt.

Wenn nichts mehr geht

Das weltweite Problem mit den Servern und Cloud-Diensten des amerikanischen Anbieters Amazon Web Services (AWS) Anfang Oktober 2025 hat wieder einmal gezeigt, wie abhängig europäische Unternehmen und Privatanwender von US-Diensten und -Lösungen sind. Ohne Vorwarnung konnten neben Unternehmen und Behörden auch Millionen von privaten Nutzern in Europa nicht mehr auf Online-Dienste, Apps und Webseiten zugreifen. Dazu zählten z. B. Roblox, Fortnite und Duolingo.

Doch der Ausfall beschränkte sich keinesfalls auf Online-Spiele und Entertainment-Apps. Von Alarmanlagen über Kommunikationslösungen bis hin zu Finanz- und Bank-Apps waren zahlreiche Systeme und Unternehmen betroffen, die teils nur eine Sache gemeinsam hatten: die Verknüpfung zu einer Cloud aus den USA.

Auf europäische Software-Lösungen setzen

Nach Jahren des Zögerns und Ignorierens scheint auch die Politik bemerkt zu haben, welche Gefahren in einer zu großen Abhängigkeit von internationalen Diensteanbietern und Herstellern schlummern. So wird etwa in Schleswig-Holstein daran gearbeitet, Microsoft komplett aus der Verwaltung zu verbannen. Beim digitalen Arbeitsplatz setzt man bereits auf eine Lösung, die unter der Leitung des Zentrums für Digitale Souveränität (ZenDiS) von verschiedenen europäischen Open-Source-Herstellern entwickelt wurde. Wie das ZendiS verkündet hat, soll der digitale Arbeitsplatz, der ohne proprietäre Software aus den USA auskommt, über Partner und Lizenzen zukünftig auch für Unternehmen zur Verfügung stehen.

Auf dem Digital-Gipfel Anfang November, der von Deutschland und Frankreich kurzfristig ins Leben gerufen worden war, verkündete Bundeskanzler Friedrich Merz zudem die Entscheidung, dass das Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS) sowie das Kanzleramt auf den souveränen Arbeitsplatz »opendesk« umgestellt werden.

Die Gründe, wieso man sich auf Bundes- und Landesebene von US-Lösungen und -Diensten verabschiedet, sind vielfältig. Ein entscheidender Faktor ist jedoch der aktuelle Präsident der USA. Schließlich hat dieser bereits mehrfach gezeigt, dass ihm nahezu jedes Druckmittel recht ist, um seine Ziele zu erreichen. Dass etwa der Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofs in den Haag, Karim Khan, plötzlich keinen Zugriff mehr auf sein Microsoft-Konto hatte, wird auf den Einfluss aus Washington zurückgeführt.

Kein Vertrauen in Hardware aus China, Russland und den USA

Wie die europäische Software-Lösung zeigt, ist es durchaus möglich, auf US-Lösungen zu verzichten. Entscheidend ist der Wille. Und dieser ist nicht in letzter Zeit nicht nur auf politischer Ebene deutlich größer geworden. Viele Unternehmen und Konsumenten suchen aktiv nach europäischen Produkten und Lösungen ohne Verbindung in die USA – oder nach China, Russland und andere Staaten, die ein anderes Rechts- und Wertesystem haben als Europa. Vor allem, wenn es um private Informationen und sicherheitsrelevante Hardware geht, sind deutsche Verbraucher äußerst vorsichtig geworden.

Wie eine repräsentative Umfrage des Markt- und Meinungsforschungsinstitut Yougov im Auftrag des Berliner Router-Herstellers Fritz zeigt, wird Hardware-Herstellern aus den USA, China und Russland wenig Vertrauen entgegengebracht. Von den 3.000 Teilnehmenden gab ein Großteil an, dass sie Herstellern aus diesen Ländern mit großem Misstrauen begegnen, wenn es um mögliches Ausspionieren oder Sicherheitslücken des Routers geht. So sprachen 65 % der Befragten Router-Herstellern aus China kein Vertrauen aus. Noch höheres Misstrauen existiert nur gegenüber Herstellern aus Russland (67 %). US-Hersteller folgten mit einer für eine westliche Nation erschreckend hohen Misstrauensquote von 43 %. Zum Vergleich: Lediglich 8 % misstrauen europäischen Hardware-Herstellern.

Deutsche Hersteller bieten zuverlässige Lösungen an

Bild 2: Laufen Aufzug-Notruflösungen über eine Cloud, sollte der Anbieter diese selbst in Deutschland betreiben; Quelle: Telegärtner

Die Ergebnisse belegen, dass Kunden hiesige Lösungen wieder bevorzugen. Die Installation einer Ring-Türsprechstelle mag besonders leicht und billig sein, was über die Jahre eine große Verbreitung auch in Europa zur Folge hatte. Jedoch dürfte spätestens der AWS-Ausfall dazu geführt haben, dass Kunden vor der Anschaffung des Amazon-Produkts zweimal darüber nachdenken, ob sicher und zuverlässig bei einer Kommunikationslösung nicht die wichtigeren Kriterien sind. Zumal es beispielsweise mit der »Doorline« von Telegärtner Elektronik eine Alternative aus Deutschland gibt, die sich leicht und sicher mit einer »Fritzbox« verbinden lässt – ganz ohne App und Cloud.

»Von den AWS-Ausfällen waren unsere Systeme nicht betroffen«, bestätigt Odo Hake von Telegärtner Elektronik. »Uns ist es wichtig, dass unsere Türsprechstellen zuverlässig funk­tionieren – zumal sie letztlich auch zur Überwachung von Türeingängen und Toreinfahrten genutzt werden«, so Hake. Da wäre es fatal, wenn das System plötzlich nicht mehr funktioniert, weil es in den USA zu einem Ausfall oder einer Abschaltung gekommen ist.

Zwar bietet das Crailsheimer Unternehmen auch eine Cloud an – allerdings nicht für die Türkommunikation, sondern für die eigenen Aufzug-Notruflösungen (Bild 2). Die Cloud wird dabei von Telegärtner Elektronik selbst in Deutschland betrieben. So können Notruftelefone aus der Ferne konfiguriert und überwacht sowie Gateways und SIM-Karten kontrolliert werden. Somit kann beispielsweise erkannt werden, vor wie vielen Stunden der letzte (Test-)Anruf über das Notruftelefon erfolgt ist. Damit lässt sich sicherstellen, dass das System einwandfrei funk­tioniert.

Ein kurzfristiger Ausfall der Cloud würde nicht zu einem Ausfall des Notrufsystems führen. Vielmehr trägt die Cloud dazu bei, dass Ausfälle vermieden werden, indem Probleme frühzeitig erkannt werden können. Ohne funktionierendes Notrufsystem dürfen Aufzüge in Deutschland nicht betrieben werden. Die eingesetzten Notruf- und Kommunikationssysteme müssen deshalb zuverlässig funktionieren.

Kommunikations- und Sicherheitstechnik ohne außereuropäische Dienste

Wäre das System von AWS-Servern in den USA abhängig, wäre es Anfang Oktober zu flächendeckenden Ausfällen der Notrufsysteme gekommen. Und käme der US-Präsident auf die Idee, AWS für Europa spontan den Stecker zu ziehen, würden nicht nur Ring-Türsprechstellen betroffen sein. Umso wichtiger ist es, dass in Deutschland eingesetzte Kommunikations- und Sicherheitstechnik ohne außereuropäische Clouds und Dienste funktioniert. Telegärtner Elektronik ist dabei nur eines von vielen Beispielen die zeigen, dass es durchaus möglich ist, auf Lösungen aus Übersee zu verzichten.

Autor

Tillmann Braun, freier Redakteur, Haiterbach

 

Quelle und Bildquelle: www.elektro.net